Der Orgelbau 2009-2020
Mit dem Beginn der umfassenden Innenrenovierung der Dreieinigkeitskirche stelle sich die Frage nach dem Schicksal der bestehenden Kleuker-Orgel von 1966. Das Instrument war in die Jahre gekommen, hatte seine "Macken" und war in Teilen nicht mehr spielbar. Zudem war das Werk eigentlich zu groß dimensioniert. Aus diesen Gründen entschied man sich gegen einen kostspeligen Umbau und Generlrenovierung des anfälligen Instruments sondern für ein neues Spielwerk im historischen Gehäuse von 1758 und einen Einbau erst nach Abschluss der Innenrenovierung.
Der Bachorgel Regensburg Förderverein e.V.
Die neue Orgel musste zu 100 Prozent aus Spenden finanziert werden, da es keine Aussicht auf öffentliche Fördergelder gab. Deshalb gründete sich am 13. Juni 2012 der "Bachorgel Regensburg Förderverein e.V.". im Lauf seiner 14-jährigen Tätigkeit von 2012-2026 organisierte der Verein zahlreiche Aktionen. Dazu gehörten etwa Orgelkonzerte, Gesprächskonzerte, Benefizveranstaltungen und die ungewöhnliche Blumentombola vor der Kirche in der Gesandtenstraße. Die Einnahmen gingen vollständig in die Spendenkasse des gemeinnützigen Vereins und von dort an die Kirchengemeinde Dreieinigkeit zur Tilgung des aufgenommenen Darlehens. Schon früh wurde deutlich, dass das Orgel-Fundraising nicht allein über klassische Spendenbriefe funktionieren sollte. Der Verein verband: Musik + Information + Erlebnis + persönliche Begegnung + Spendenwerbung. Das wurde zu einem charakteristischen Merkmal der Vereinsarbeit.
Eine der wichtigsten Aktionen des Fördervereins war die Pfeifenpatenschaft. Sie wurde am Tag des offenen Denkmals am 11. September 2016 gestartet. Damals konnten Interessierte eine konkrete Pfeife der 2.131 zu vergebende Pfeifen der zukünftigen Orgel „übernehmen“. Die Patenschaftspreise lagen – je nach Pfeifengröße – zwischen 50 und 2.000 Euro. Allein am ersten Aktionstag wurden 46 Pfeifenpatenschaften abgeschlossen, darunter sieben große Prospektpfeifen zu je 1.000 Euro. Es kamen 14.250 Euro an Spenden zusammen. Die Pfeifenpatenschaft war damit nicht nur eine Spendenform, sondern eine sehr persönliche Form der Beteiligung: Menschen konnten buchstäblich „ihre“ Pfeife in der neuen Orgel haben.
Da der überwiegende Teil der Kosten für die Bachorgel getilgt werden konnte fand am 26. Juli 2026 in der Dreieinigkeitskirche eine „Sommerliche Orgelsoirée“ zum Abschied des Bachorgel-Regensburg-Fördervereins statt. Es wurde Rückblick gehalten und die Erreichung des Vereinszwecks gefeiert. Das ist ein bemerkenswert erfolgreiches Ende für einen Förderverein: Er löst sich nicht auf, weil sein Projekt gescheitert ist, sondern weil der konkrete Vereinszweck erfüllt wurde. Mittlerweile wurde der Antrag auf Auflösung von der Mitgliederversammlung am 21. September 2026 einstimmig angenommen und der 1. Vorsitzender und der Schatzmeister zu Liquidatoren bestellt. Die endgültige Löschung aus dem Vereinsregister wird erfahrungsgemäß erst Ende 2027 erfolgen.
Orgelbauer und Orgelbau
Der ausführende Orgelbauer für die neue Bachorgel wurde am 11. April 2014 auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben: Hendrik Ahrend und seine Firma Orgelbau Ahrend aus Leer in Ostfriesland. Initiator und Regensburger Stadtkantor Roman Emilius präsentierte den Orgelbauer, der aus dem monatelangen Auswahlverfahren einer Orgelfachkommission aus Bewerbungen aus ganz Europa einstimmig gekürt worden war.
Hendrik Ahrend erläuterte, dass die Orgelbaufirma Ahrend bekannt für ihre sachkundigen Restaurierungen sei, aber auch bei Orgelneubauten nach altbewährten historischen Methoden vorgehe, deshalb gebe seine Firma auch „300 Jahre Garantie“ für ihre Orgeln. Keineswegs stehe schon das neue Regensburger Instrument in allen Details fest: „Orgeln entstehen als Prozess aus vielen Sachverständigen-Diskussionen. Erst wenn ich den Bauplan reinzeichne, steht die Orgel dann fest“, so Ahrend. Jedenfalls werde sich sein Instrument nahtlos in die hohe Bedeutung der Dreieinigkeitskirche einfügen.
Schon 15 Monate später, am 21. Juli 2015, konnte Hendrik Ahrend wieder von Ostfriesland nach Bayern reisen. Nachdem Förderverein und Gemeinde mit 500.000 Euro an Spenden weit über das geforderte Drittel der Baukosten hinaus gesammelt hatten, konnte der Bauvertrag feierlich unterzeichnet werden. Donaudekan Eckhard Herrmann, Pfarrer Martin Schulte und Kantor Roman Emilius zeigten sich sehr zuversichtlich, dass auch die restlichen Baukosten durch Spenden gedeckt werden könnten.
Nach der Überwindung so mancher unerwarteter Schwierigkeiten (Der Putz viel von der Decke und musste durch ein aufwändiges Verfahren statisch gesichert werden.) konnte die zwischenzeitlich eingelagerte fertige Bachorgel im Frühjahr 2020 in das historische Gehäuse eingebaut und mehrere Wochen lang vom Orgelbauer intoniert werden. Durch die Orgelabnahme durch die Fachkommission am 4. Juni 2020 wurde die perfekte Ausführung der Bauarbeiten bestätigt und die Bachorgel zum Spiel freigegeben.
Ihre Premiere hatte die Bachorgel Regensburg am 27. September 2020 mit der feierlichen "Indienstnahme" durch Regionalbischof Klaus Stiegler. Eine Festwoche mit täglichen Orgelkonzerten namhafter Organisten aus ganz Deutschland schloss sich an.
Seitdem sorgt ein umfangreiches Programm an Orgelkonzerten, Führungen und Infoveranstaltungen dafür, dass Sie unsere Bachorgel kennenlernen, hören und genießen können. Herzlich willkommen!