Die Dreieinigkeitskirche ist der erste originär protestantische Kirchenneubau Süddeutschlands. Sie steht für reformatorisches Gottesdienstverständnis und ist bis heute weitgehend unverändert erhalten.
Reformation und Raumnot
Mit der Einführung der Reformation im Jahr 1542 wurde Regensburg zur evangelischen Stadt. Anfangs standen der Gemeinde drei Kirchen zur Verfügung, doch durch politische und konfessionelle Veränderungen – insbesondere den Verlust der Dominikanerkirche im Jahr 1628 – entstand ein akuter Mangel an Gottesdienstorten. Die Situation verschärfte sich durch die Aufnahme zahlreicher Glaubensflüchtlinge aus der Oberpfalz und Österreich, was den Bedarf an einem neuen Kirchenraum deutlich machte.
Bau der Dreieinigkeitskirche
Im Februar 1627 fasste die evangelische Gemeinde den Entschluss, eine neue Kirche zu bauen. Der Regensburger Festungsbaumeister Johann Carl wurde mit der Planung beauftragt. Bereits im Juli desselben Jahres begann der Bau, der bis Dezember 1631 abgeschlossen wurde. Die Kirche wurde als heller, säulenloser Saalbau konzipiert – ein architektonisches Novum in Süddeutschland. Die Rundbogenfenster und die umlaufende Empore prägen bis heute das Erscheinungsbild des Innenraums.
Die Dreieinigkeitskirche ist ein Musterbeispiel reformatorischer Kirchenarchitektur. Der Innenraum ist so gestaltet, dass alle Besucher freie Sicht auf Kanzel und Altar haben – ein Ausdruck des reformatorischen Prinzips, dass Wortverkündigung und Sakrament im Mittelpunkt stehen. Die umlaufende Empore bringt die Gemeinde näher an die Predigt heran und schafft eine demokratische Raumordnung, die sich vom katholischen Kirchenbau deutlich unterscheidet.
Ausstattung und Kunst
Die Ausstattung der Kirche ist reich an theologischer Symbolik:
- Der Altar (1637) zeigt zentrale Szenen wie das Abendmahl und die Taufe – die beiden Sakramente der Reformation.
- Die Kanzel ist mit einer Taube geschmückt, dem Symbol des Heiligen Geistes.
- Das Gestühl spiegelt die damalige Gesellschaftsordnung wider: Bürger, Magistratsmitglieder und Reichstagsgesandte hatten eigene Plätze.
- Oratorien wurden für hochrangige Persönlichkeiten eingerichtet, darunter auch Vertreter des Reichstags.
Erweiterungen und Orgel
Im Jahr 1755 wurde die Sakristei angebaut. Die erste Orgel erhielt die Kirche 1758, sie wurde später mehrfach ersetzt. Die heutige Orgel – eine sogenannte Bach-Orgel – wurde 2020 eingeweiht und bietet ein besonderes Klangerlebnis. Ein weiteres Highlight ist das Privatoratorium, das 1790 für Therese von Thurn und Taxis eingerichtet wurde – ein Zeichen der engen Verbindung zwischen Kirche und Stadtgeschichte.